Stellungnahme zur Förderung der freiwilligen
Ganztagsschule 2010

Das FreieFamilienforum Saar e.V. versteht sich als Lobby für
Familien. Eine wichtige Zielsetzung des eingetragenen
gemeinnützigen Vereins ist die Förderung der Vereinbarkeit von
Familie und Beruf. Seit 2009 ist das FreieFamilienforum Saar e.V.
Lokales Bündnis für Familie. Es arbeitet parteiübergreifend, um
die Anliegen von Familien voranzutreiben.
Das FreieFamilienforum Saar e.V. begrüßt ausdrücklich alle politischen
und gesellschaftlichen Bestrebungen, die die Vereinbarkeit von Familie
und Beruf fördern. Wichtig dafür sind sämtliche Strukturen, die Eltern bei
ihrer Berufstätigkeit entlasten und die Kindern, von berufstätigen Eltern,
einen qualitativ hochwertigen Zugang zu Bildung und Erziehung
ermöglichen.
Das FreieFamilienforum Saar e.V. beurteilt deshalb die Bestrebung der
saarländischen Regierung, die Betreuung von Schulkindern im Rahmen
der freiwilligen Ganztagsschule beitragsfrei zu stellen, grundsätzlich
positiv. Es ist nicht nur Aufgabe der Eltern sondern auch die von
Arbeitgebern und der Gesellschaft, eine Vereinbarkeit von Familie und
Beruf zu unterstützen. Insbesondere die Wirtschaft erhält durch eine
Erhöhung der Frauenerwerbsquote Zugriff auf dringend benötigte Fachund
Führungskräfte. Zugleich stellt das Lokale Bündnis für Familie hier
die Frage, ob die Qualität in den freiwilligen Ganztagsschulen in der
Vergangenheit als gut beurteilt wurde. Bei einer Erhöhung der
Bezuschussung und Beibehaltung von sozialverträglichen
Elternbeiträgen könnte nach Ansicht des gemeinnützigen Vereins die
Qualität der Betreuungsangebote weiter erhöht werden. Dies gilt es
sorgfältig zu prüfen.
Im Verhältnis Landesregierung, Schulträger, Betreuungsträger, Eltern,
stellen die Eltern das schwächste Glied dar. In den Grundschulen sind
sie durch die Sprengelpflicht gebunden und die weiterführenden Schulen
unterscheiden sich durch ihre Profile, Sprachreihenfolgen etc.. Deshalb
ist die Stellung der Eltern, die ein Betreuungsangebot nutzen, zu
stärken. Wir empfehlen deshalb die Einrichtung einer Elternvertretung,
die durch diejenigen Eltern, die die Betreuung nutzen, gewählt wird
(ähnlich der Klasseneltern- und Schulelternsprecher) bis hinauf in ein
Landesgremium. Entsprechendes schlagen wir altergsgemäß für die
Schülervetretung vor. Dies ist aus unserer Sicht demokratischer, als die
vorgesehene Lösung, bei der alle Eltern / Schüler einer Schule wählen,
unabhängig davon, ob sie die Betreuung nutzen.
Grundsätzlich gilt es, die Chancengleichhheit von betreuten und nicht
betreuten Kindern anzugleichen. Somit sind Maßnahmen zu vermeiden,
die die Einkommenssituation von Eltern betreuter Kinder verschlechtern.
Damit ergibt sich aus unserer Sicht ein Bestandsschutz bestehender
Betreuungsverhältnisse auch bei Veränderung der
Rahmenbedingungen.
Ebenfalls sind alle Maßnahmen zu unterstützen, die zur Bildung,
Förderung und Teilnahme betreuter Kinder am gesellschaftlichen Leben
beitragen. Als solche seien beispielhaft genannt: Mitgliedschaft in
Vereinen, Erlernen eines oder mehrerer Instrumente, Teilnahme an
Nachhilfeunterricht und sonstigen Kursen (Sprachen,
Schreibmaschinenkurs) u.w.. Ebenfalls ist die religiöse Freiheit zu
achten und zu unterstützen, die sich u.a. an der Teilnahme der
Kommunions- und Konfirmationsvorbereitung ebenfalls wie kirchliche
Gruppenstunden, Pfadfinderaktivitäten und Messdienerstunden
ausdrückt. Gemeinsam mit den Eltern erlebte Freizeit ist auch für
betreute Kinder und ihre Familien von hohem Stellenwert. Zum sozialen
Leben aller Kinder gehören Feste innerhalb der Familie und des
Freundeskreises genauso wie gegenseitige Einladungen zu z.B.
Kindergeburtstagen.
Ein Großteil dieser Aktivitäten findet sachgemäß außerhalb organisierter
Betreuung statt. Ein weiterer Teil kann durch Kooperationen mit dem
Betreuungsträger nur eingeschränkt im Rahmen von institutionalisierter
Betreuung angeboten werden. Dies hängt weniger von den Wünschen
und Bedarfen der Familien als vielmehr vom Engagement und
pädagogischem Schwerpunkt der Träger ab.
Solange einzelne Träger durch ihr pädagogisches Konzept
(pädagogische Kernzeiten, freies Spiel für die Kinder, Grenzen ihrer
betreuerischen Leistungsfähigkeit) die Teilnahme der von ihnen
betreuten Kinder an oben genannten Aktivitäten bis zur Teilnahme an
Landesmeisterschaften u.ä. verhindern können, sollte nicht die Kontrolle
der Eltern und Kinder sondern die der Träger erhöht werden.
Fehlgerichtet ist somit aus unserer Sicht die tägliche Teilnahme der
Kinder an den Betreuungsangeboten als Voraussetzung zur Förderung.
Dies wird im Zusammenhang mit den räumlichen Kapazitätsengpässen
an einzelnen Schulen dazu führen, daß Kinder , die an einem oder
mehreren Tagen aus oben genannten Gründen nicht oder nur sehr
eingeschränkt am Betreuungsangebot teilnehmen, im Zweifelsfall keinen
Betreuungsplatz erhalten. Eltern, die an zwei bis drei Tagen voll arbeiten
und an anderen weniger, um ihren Kindern die Teilnahme an oben
genannten Aktivitäten zu ermöglichen, werden somit schlechter gestellt
also solche, die bei gleicher Stundenzahl regelmäßige Arbeitszeiten
wahrnehmen.
Ein besserer Ansatz aus unserer Sichtweise wäre die Verpflichtung der
Träger genderspezifische (z.B. Fußball, Karate, Tanzen und
Leichtathletik) Angebote in Kooperation mit außerschulischen Partnern
bereitzuhalten oder generell eine Mindestzahl von außerschulischen
Partnern verflichtend zu machen. Ergänzend dazu muß es möglich sein,
eine gewisse Anzahl von z.B. gruppen- der platzabhängigen „Fehlzeiten“
unbürokratisch und ohne Verwaltungsaufwand für die Eltern nach
nachvollziehbaren Kriterien bereitzustellen.
Wünschenswert halten wir die Zielrichtung, die Betreuungsträger mögen
an einer regelmäßigen Teilnahme an gesunden Mahlzeiten mitwirken.
Hier betrachten wir mit Sorge die Kantinen an vielen weiterführenden
Schulen (es gibt immer noch Schulen, die keine Kantine anbieten). Hier
gibt es keinerlei Kontrollmöglichkeiten für die Betreuer, ob ihre
„Schützlinge“ gegessen haben und was. Wünschenswert wäre aus
unserer Sicht ein gemeinsames Mittagessen mit Betreuern im
Speisesaal mit der Möglichkeit zur Teilnahme für „betreuungsexterne“
Schüler. Aus unserer Sicht ist gerade für die Jüngeren (10 bis 12 Jahre)
ein direktiverer und geschützterer Rahmen durchaus posititver als die
Möglichkeit, sich mit Süßigkeiten und Capri Sonne täglich unkontrolliert
selbstzuversorgen.
Letztendlich stellen wir fest, daß es in verschiedenen
Betreuungsangeboten unterschiedlicher Träger momentan vorkommt,
daß Kinder (nicht nur vereinzelt) ohne bzw. ohne vollständige
Hausaufgaben nach Hause gehen – und daß eine standardisierte
Information der Eltern darüber nicht implementiert ist. In einigen
Betreuungseinrichtungen (auch an Grundschulen) verlassen Kinder die
Betreuung zu nicht vereinbarten Uhrzeiten und weder Eltern noch
Betreuer, wissen, wo sich die „betreuten“ Kinder befinden. Es gibt
„pädagogische“ Kernzeiten, die verhindern, daß Kinder an
altersgemäßen Sportangeboten u.a. in direkter Nachbarschaft
teilnehmen. Weitere Betreuungen sehen sich außerstande, dafür zu
sorgen, daß die von ihnen betreuten Kinder zu einer bestimmten Uhrzeit
die Betreuung verlassen. Das alles deutet auf einen Bedarf nach
Quantifizierung und Qualifizierung des Personalschlüssels hin und auf
eine erhöhte Qualitätssicherung innerhalb der Berteuungen. Es
widerspricht aber dem Zwang, Kinder so viel wie möglich und so
regelmäßig wie möglich dieser Betreuung anzuvertrauen.
martina.rausch@freiesfamilienforumsaar.de
Fax: 0681 / 94 06 57 12
Das FreieFamilienForumSaar e.V., gemeinnütziger Verein wurde am
15.06.2008 gegründet . Es handelt sich dabei um eine Initiative
engagierter und motivierter „Familienmenschen“ unterschiedlicher
Altersgruppen und Lebensformen. Inzwischen hat der Verein 50
Mitglieder. Die Mitstreiter und Gründungsmitglieder kommen aus den
Bereichen Wirtschaft, Justiz, Politik, Gesundheit, Wissenschaft, Bildung,
Kultur und Soziales. Der Gesamtvorstand setzt sich zu großen Teilen
aus den Gründungsmitgliedern zusammen, die dieses Projekt durch ein
großes Anschubvertrauen auf den Weg gebracht haben. Allen ist
gemeinsam, dass sie ihre Interessen in familienpolitischer Hinsicht
stärker voranbringen möchten. Das FreieFamilienForumSaar e.V.
arbeitet deshalb unabhängig und gemeinnützig.
Seit Sommer 2009 ist das FreieFamilienForumSaar e.V. ein Lokales
Bündnis für Familie.
Hintergrund
Die Initiative Lokale Bündnisse für Familie wurde Anfang 2004 vom
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ins Leben
gerufen. Ein Lokales Bündnis für Familie ist der Zusammenschluss
verschiedener gesellschaftlicher Gruppen und Akteure mit dem Ziel, die
Lebens- und Arbeitsbedingungen für Familien vor Ort durch konkrete
Projekte zu verbessern und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu
ermöglichen.
Derzeit engagieren sich mehr als 13.000 Akteurinnen und Akteure,
darunter 5.000 Unternehmen, in rund 5.200 Projekten. 560 Bündnisse
sind in der Initiative bereits aktiv und etwa 200 weitere
Bündnisgründungen in Vorbereitung (Stand: 15. Mai 2009).
In den Kreisen, Städten und Gemeinden mit einem Lokalen Bündnis
leben mehr als 50 Millionen Menschen. Das Bundesfamilienministerium
hat ein Servicebüro eingerichtet, das den Aufbau und die
Weiterentwicklung der Lokalen Bündnisse bundesweit koordiniert und
unterstützt. Das Servicebüro wird aus Mitteln des
Bundesfamilienministeriums und des Europäischen Sozialfonds
finanziert.
Familien brauchen Zeit. Das lokale Umfeld bestimmt mit, wie gut
Familien ihren Alltag organisieren können und wie viel Zeit der Familie
für sich bleibt. Ob die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gelingt, ob es
ausreichend Kinderbetreuungsmöglichkeiten gibt und ob das
Dienstleistungsangebot vor Ort auf Familien eingestellt ist, sind dafür
entscheidende Fragen. Die engagierte lokale Zeitpolitik der Bündnisse
stärkt Familien und trägt mit ihren vielfältigen Projekten dazu bei, dass
Familien Zeit gewinnen.
Zeit für die Kinder, Zeit für die Arbeit und Zeit für sich selbst – dies sind
für viele berufstätige Eltern zentrale Themen. Fast alle Eltern wünschen
sich eine bessere Balance zwischen Familien- und Berufsleben und
weniger Zeitstress im Familienalltag. Insbesondere junge, gut
ausgebildete Menschen gehen dahin, wo sie berufliche
Entwicklungschancen sehen, Lösungen für die Vereinbarkeit von Familie
und Beruf finden und so Zeit für Familie haben. So geben bei einer
repräsentativen Forsa-Umfrage von Anfang Mai knapp die Hälfte der
befragten berufstätigen Eltern mit Kindern unter sechs Jahren an, häufig
bis sehr häufig Zeitstress bei dem Versuch zu erleben, Familie und
Beruf zu vereinbaren. Familienfreundliche Arbeitsbedingungen (95
Prozent) sowie bedarfsgerechte Angebote zur Kinderbetreuung (93
Prozent) sind für die befragten Eltern wichtig bzw. sehr wichtig, um den
Zeitstress bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verringern. Auf
einander abgestimmte Zeit-Takte von Ämtern, Kitas und öffentlichen
Verkehrsmitteln halten 80 Prozent in diesem Zusammenhang für (sehr)
wichtig. Knapp 70 Prozent sehen gebündelte Informationen über
Angebote zur Unterstützung für Familien als wichtig an, um den
Zeitstress bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verringern.
Lokale Bündnisse geben Unternehmen wichtige Impulse für eine
familienfreundliche Personalpolitik. Gerade in wirtschaftlich unsicheren
Zeiten ist Familienfreundlichkeit ein wichtiger Standortfaktor und
Wettbewerbsvorteil für Unternehmen und Kommunen.
Familienfreundliche Strukturen schaffen wirtschaftliche Gewinne und
stärken das Wachstum. In einer aktuellen repräsentativen Umfrage des
Instituts für Demoskopie Allensbach geben 60 Prozent der befragten
Unternehmen an, die Auswirkungen der Krise zu spüren. Gleichzeitig
glauben fast 70 Prozent, dass das Thema „Vereinbarkeit von Familie
und Beruf“ nicht an Bedeutung verlieren wird, fast 20 Prozent meinen
sogar, dass es wichtiger wird: Familienfreundlichkeit wird sowohl aus
betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten als auch aus Gründen der
Personalgewinnung als positiv erachtet – und mehr als jeder vierte
Betrieb kann trotz der Krise seinen Fachkräftebedarf nicht decken.


Martina Rausch
Stellvertretende Vorsitzende
FreiesFamilienForumSaar e.V.
Beim Tilgesbrunnen 9
66130 Saarbrücken
info@freiesfamilienforumsaar.de
www.freiesfamilienforumsaar.de
Vereinsregisternr. VR 5025

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